„Ihr kommet, Winde, fern herüber …“ – 

Von Harfen und Äolsharfen – ein literarisch-musikalischer Bilderbogen

 Wie die Harfe, so ist auch die Äolsharfe mit uralten Traditionen verbunden. In vielen Kulturen kannte man das Phänomen, dass Instrumente ohne menschliches Einwirken zu tönen beginnen. Wenn der Lufthauch über die Saiten streicht, klingt die Harfe auf, wie von Geisterhänden berührt. Im Rauschen der Äolsharfen meinte man, überirdische Stimmen zu vernehmen.

In Europa wurde die Windharfe im 18. Jahrhundert wieder entdeckt. Sie verbreitete sich zunächst in England und gehörte bald zum beliebten Requisit der Landschafts­gärten.

Zum Ende des Jahrhunderts erreichte diese Mode auch Frankreich und Deutschland. Alle gebildeten Gesellschaftsschichten gaben sich diesem Gefühlskult hin. Beson­ders von den Dichtern, auch von Goethe, wurde die Äolsharfe als symbolträchtiges Motiv gefeiert und je nach Weltanschauung unterschiedlich gedeutet.

Die Referentin Barbara Kiem hat im Bereich von Musik und Literatur für verschiedene Rundfunkanstalten gearbeitet. Nach dem Studium von Musik (Klavier und Cembalo), Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie folgten Schuldienst und Lehrtätigkeit an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.  Barbara Kiem ist seit vielen Jahren im Vorstand der Goethe-Gesellschaft und des Wagner- Verbandes. Sie hält Vorträge und veranstaltet jedes Jahr für die Goethe-Gesellschaft ein Gesprächskonzert.